030186 KU Genderbezüge in der Kriminologie

  • 2-std., 3,0 ECTS
  • max. 46 Teilnehmer

Termine:

  • Mittwoch 14.03. 15:00 - 16:30 Hörsaal U15 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Mittwoch 21.03. 15:00 - 16:30 Hörsaal U15 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Mittwoch 11.04. 15:00 - 16:30 Hörsaal U15 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Mittwoch 18.04. 15:00 - 16:30 Hörsaal U15 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Mittwoch 25.04. 15:00 - 16:30 Hörsaal U15 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Mittwoch 02.05. 15:00 - 16:30 Hörsaal U15 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Mittwoch 09.05. 15:00 - 16:30 Hörsaal U15 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Mittwoch 16.05. 15:00 - 16:30 Hörsaal U15 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Mittwoch 23.05. 15:00 - 16:30 Hörsaal U15 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Mittwoch 30.05. 15:00 - 16:30 Hörsaal U15 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Mittwoch 06.06. 15:00 - 16:30 Hörsaal U15 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Mittwoch 13.06. 15:00 - 16:30 Hörsaal U15 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1
  • Mittwoch 20.06. 15:00 - 16:30 Hörsaal U15 Schottenbastei 10-16, Juridicum, KG1

Anmeldung von 09.02.2018 bis 12.03.2018 über U:SPACE


Lehrende

Katharina Beclin


Information

Ziele, Inhalte und Methode der Lehrveranstaltung

  • Diese Lehrveranstaltung ist der Frage nach dem Verhältnis von Geschlecht und Kriminalität gewidmet, die sich im Themenkomplex von Gewalt in Beziehungen zuspitzt.
  • Zu Beginn wird den Studierenden ein Überblick über die bekannt gewordene Kriminalität in Österreich geboten. An Hand der Polizeilichen und Gerichtlichen Kriminalstatistiken wird der Anteil von Frauen und Männern auf Opfer- und Täterseite verschiedener Delikte verglichen. Daran anknüpfend werden die Problematik des je nach Delikt höchst unterschiedlichen Dunkelfeldes sowie mögliche geschlechtsspezifische Selektionsmuster bei Anzeigeerstattung und Strafverfolgung diskutiert.
  • Anschließend soll für eine Auswahl von Kriminalitätstheorien, beginnend mit der Anomietheorie über die Lerntheorien bis zum labeling approach, erarbeitet werden, inwiefern einzelne Theorien in der Lage sind, den markanten Unterschied in der Kriminalitätsbelastung von Männern und Frauen zu erklären. Darüber hinaus werden historische und aktuelle Kriminalitätstheorien vorgestellt, die sich speziell mit Frauenkriminalität auseinandersetzen.
  • Im Bereich der Viktimologie wird teilweise wieder unter Heranziehung der Kriminalitätstheorien erarbeitet, inwiefern auch die Opferrolle erlernt werden kann. Das theoretische Konstrukt des Opferbeitrags, das die (unbewusste) Erleichterung einer Straftat bzw. die Mitwirkungan derselben durch das Opfer umfasst, soll vorgestellt und hinsichtlich der umstrittenen Anwendung auf Sexualdelikte diskutiert werden. Hierzu zählt auch die Frage, inwieweit an potentielle Opfer von Sexualdelikten (also meist generell an Frauen) gerichtete Verhaltensmaßregeln, etwa hinsichtlich Auftreten, Kleidung oder Freizeitverhalten, geeignete und angemessene Maßnahmen sind, um Sexualdelikte zu verhindern.
  • In der Folge werden einzelne Erscheinungsformen der Kriminalität erörtert, bei denen das Geschlechterverhältnis eine besondere Rolle spielt.
    Einen wichtigen Schwerpunkt bilden hier natürlich die bereits angesprochenen Sexualdelikte. Die Entwicklung der einschlägigen Straftatbestände, von der Vergewaltigung bis zum neu formulierten Tatbestand der sexuellen Belästigung, spiegelt deutlich den wachsenden Einfluss der feministischen Sichtweise wider. Aber auch der Problemkreis Kindesmissbrauch soll erörtert werden. Hier scheinen zwar in der Statistik fast ausschließlich männliche Tatverdächtige und Verurteilte auf, ich möchte aber auch die meist strafrechtlich nicht relevante aber aus präventiver Sicht bedeutsame Rolle der an der Tat nicht Beteiligten männlichen und weiblichen Bezugspersonen der Opfer erörtern, die bisweilen gar nicht oder erst viel zu spät die von dem Kind oder Jugendlichen ausgesandten Alarmsignale richtig deuten.
  • Zu dem Themenschwerpunkt Gewalt in der Familie wird nicht nur die kriminologische und gesellschaftspolitische Dimension dieses nach wie vor meist im Dunkelfeld bleibenden Phänomens dargestellt, sondern es werden auch die rechtlichen und faktischen Möglichkeiten der Prävention und Reaktion, allen voran die beiden Gewaltschutzgesetze, erörtert. Die typischerweise vom Täter finanziell , sozial und/oder psychisch abhängigen Opfer, meist Frauen und Kinder, erleiden je nach der Dauer des Gewaltverhältnisses oft massive psychische und physische Beeinträchtigen, die weit über die typischen Tatfolgen leichter Körperverletzungen hinausgehen.
    Auch der Frage, inwiefern psychische Gewalt - im Hinblick auf diese Erkenntnisse - ausreichend kriminalisiert ist, soll nachgegangen werden.

Art der Leistungskontrolle und erlaubte Hilfsmittel

  • Die Benotung erfolgt auf der Basis der Leistung beim Referat oder bei der schriftlichen Prüfung, die durch Mitarbeitspunkte aufgebessert werden kann. Zwei Wortmeldungen in der mündlichen Diskussion oder auf der Lernplattform sind erforderlich, um überhaupt die Lehrveranstaltung abschließen zu können; es gilt Anwesenheitspflicht!

Mindestanforderungen und Beurteilungsmaßstab

  • Anwesenheitspflicht! (maximal eine unentschuldigte und zwei entschuldiget Fehlstunden sind möglich), zweimalige Mitarbeit (während der Lehrveranstaltung oder auf der Lernplattform im Diskussionsforum). Von den insgesamt 35 erreichbaren Punkten müssen für ein Genügend 18 Punkte erreicht werden! (ab 26 Punkten: Befriedigend; ab 31 Punkten: Gut; ab 34 Punkten Sehr gut). Die Punkte können bei der schriftlichen Prüfung erworben werden, oder durch Halten eines Referats (und rechtzeitigem Abgeben eines Handouts), wofür es bis zu 30 Punkte gibt, sowie durch Mitarbeit (mindestens zwei, maximal vier Punkte). Die Gesamtzahl der erreichten Punkte ergibt (nach dem obigen Punkteschema) die Note.

Prüfungsstoff

  • Der Stoff wird anhand von Vorträgen der Lehrveranstaltungsleiterin und Referaten der Studierenden über eingegrenzte und zur Verfügung gestellte Materialien erarbeitet. Nach Möglichkeit rundet der Vortrag einer Gastvortragende*n aus der Praxis das Angebot ab.

Literatur

Nur ergänzend, nicht prüfungsrelevant:

  • Helga Amesberger, Sexarbeit in Österreich, Ein Politikfeld zwischen Pragmatismus, Moralisierung und Resistenz, new academic press, 2014
  • Julia Bettermann/Moetje Feenders (Hrsg.), Stalking - Möglichkeiten und Grenzen der Intervention, Verlag für Polizeiwissenschaft, Clemens Lorei, Frankfurt 2004
  • David Briggs/Roger Kennington, Managing Men Who sexually Abuse, Jessica Kingsley Publishers, London and Philadelphia, 2006
  • Albin Dearing/Birgitt Haller (Hrsg.), Schutz vor Gewalt in der Familie - Das österreichische Gewaltschutzgesetz, Verlag Österreich, Wien 2005.
  • Jutta Elz (Hrsg.), Täterinnen, Befunde,Analysen,Perspektiven, Kriminologie und Praxis (Schriftenreihe der Kriminologischen Zentralstelle e.V.) Band 58, Wiesbaden 2009.
  • Wilhelm Heitmeyer/Monika Schröttle (Hrsg.) Gewalt - Beschreibungen-Analysen-Prävention, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) Band 563, Bonn 2006.
  • Barbara Krahè/Hans Joachim Schneider, Sexual- und Gewaltprobleme, in Hans Joachim Schneider (Hrsg.), Internationales Handbuch der Kriminologie Band 2, Besondere Probleme der Kriminologie, de Gruyter-Recht Berlin, 2009, 787 - 982.
  • Helmut Kury/Joachim Obergfell-Fuchs, Sexualkriminalität, in Hans Joachim Schneider (Hrsg.), Internationales Handbuch der Kriminologie Band 1, Grundlagen der Kriminologie, de Gruyter-Recht Berlin, 2007, 613 - 666.
  • Lyane Sautner, Viktimologie, Die Lehre von Verbrechensopfern, Verlag Österreich, Wien, 2014
  • Hans Joachim Schneider, Kriminologie, Berlin-New York de Gruyter, 1987, S 561 ff (zu Frauen und Kriminalität)
  • Verein Wiener Frauenhäuser (Hrsg.), "Ohne mich bist du nichts" - Psychische Gewalt in der Familie (Tagungsbericht), Wien, 2014.